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    <title>Anna - (noch) Ungestrichenes</title>
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    <description></description>
    <dc:publisher>schmollfisch</dc:publisher>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:date>2009-08-22T07:59:23Z</dc:date>
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    <title>Anna - (noch) Ungestrichenes</title>
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  <item rdf:about="http://annarinnschad.twoday.net/stories/5215379/">
    <title>Pusteblume - Hasensprung</title>
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    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;hasensprung-500&quot; width=&quot;286&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/annarinnschad/images/hasensprung-500.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- pusteblume &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein hauchfeiner&lt;br /&gt;
rundwebstuhl&lt;br /&gt;
auf ihn gespannt&lt;br /&gt;
ein schnupftuch&lt;br /&gt;
für hummelbräute&lt;br /&gt;
in die ritzen&lt;br /&gt;
der kiefernzapfen&lt;br /&gt;
schreiben mücken ihre&lt;br /&gt;
liebesbriefe&lt;br /&gt;
und in die silberdistel&lt;br /&gt;
der ameisen mammutbaum&lt;br /&gt;
ritzen mäuse ihr&lt;br /&gt;
gepfeiltes herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- hasensprung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sprung über&lt;br /&gt;
den bach&lt;br /&gt;
teilt die luft&lt;br /&gt;
wie einst moses&lt;br /&gt;
mit dem stab&lt;br /&gt;
die fluten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den kaulquappen&lt;br /&gt;
dunkelt sich &lt;br /&gt;
der himmel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie ein tornado&lt;br /&gt;
dräut der sturm&lt;br /&gt;
im wasserglas</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Pusteblume - Hasensprung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-25T11:28:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://annarinnschad.twoday.net/stories/4859680/">
    <title>&lt;b&gt;MÄH!&lt;/b&gt;&lt;b&gt; (Leseprobe)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br...</title>
    <link>http://annarinnschad.twoday.net/stories/4859680/</link>
    <description>&lt;b&gt;MÄH!&lt;/b&gt;&lt;b&gt; (Leseprobe)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr geehrte Frau Mehler, sehr geehrter Herr Landmann, &lt;br /&gt;
mit Befremden habe ich festgestellt, dass Sie auf ihrem Wohngrundstück seit einigen Wochen drei Lämmer halten. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass das ganze Neubaugebiet Hammelberg als reines Wohngebiet ausgewiesen ist. Eine landwirtschaftliche Nutzung der Grundstücke, einschließlich unbebauter Wiesenflächen, ist somit nicht gestattet. Es dürfen keinerlei Nutztiere wie Kühe, Schweine oder Schafe gehalten werden. Ihre drei Lämmer laufen bei Tag und Nacht auf der Wiese umher und belästigen mit ihrem Blöken die Nachbarschaft. Da unser Schlafzimmer nach Ihrer Wiese hinaus liegt, sind wir besonders betroffen. Meine Frau ist seit Jahren Migränepatientin und leidet sehr unter dem Schreien Ihrer Lämmer, ebenso meine pflegebedürftige Schwiegermutter, die bei uns wohnt. Das ständige schallende Mäh ruiniert unsere Kopfnerven. Ich fordere Sie dringend auf, für die Lämmer baldmöglichst eine richtige Weide zu suchen, andernfalls sehe ich mich gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen. &lt;br /&gt;
Hochachtungsvoll, Franz Wolf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr geehrter Herr Wolf, &lt;br /&gt;
zunächst eine Richtigstellung: Die drei Schafe auf unserem Hausgrundstück sind keine Lämmer, sondern ausgewachsene Schafe, nämlich Ouessantschafe, die nach der bretonischen Insel Ouessant benannt sind. Sie erreichen nur etwa Kniehöhe und benötigen nicht viel Weidefläche. Eben deshalb haben wir uns für diese Tiere entschieden. Ouessantschafe bringen keinen wirtschaftlichen Nutzen; wir halten sie nur zum Vergnügen, woraus folgt, dass sie keine Nutztiere, sondern Haustiere sind und folglich in unserem Wohngebiet erlaubt. &lt;br /&gt;
Es tut uns Leid, dass die Schafe so viel blöken, aber das wird sich sicher geben, sobald sie richtig eingewöhnt sind. &lt;br /&gt;
Was die Geräuschbelästigung und die daraus folgende Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes Ihrer Frau Gemahlin und deren Frau Mutter anbetrifft, so schlagen wir vor, dass Sie zunächst den exzessiven Gebrauch Ihres Hochdruckreinigers, Ihres Mulchmähers und Ihres Laubbläsers auf ein vernünftiges Maß beschränken. Das dürfte genügen, dass sich die Kopfnerven Ihrer Familie erholen können. &lt;br /&gt;
Mit freundlichen Grüßen, Karin Mehler, Horst Landmann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geehrte Frau Mehler, geehrter Herr Landmann, &lt;br /&gt;
mir ist es völlig wurscht, ob Ihre Schafe nach einer bretonischen oder einer Fidschi-Insel benannt sind. Wir können die Nachbarschaft dieser Tiere nicht mehr ertragen. Wenn Ihre Schafe, wie Sie schreiben, Haustiere sind, dann holen Sie sie gefälligst ins Haus, wenigstens nachts. Ihre Anspielung auf meine Gartengeräte geht am Kern der Sache vorbei. Wenn ich lieber &lt;s&gt;mähe&lt;/s&gt; meine Wiese mit einem vernünftigen Rasenmäher pflege, als Schafe darauf weiden zu lassen, ist das meine Angelegenheit und erspart immerhin auch Ihnen zusätzliche Geruchsbelästigung und weiteres permanentes Mäh. &lt;br /&gt;
Franz Wolf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- &lt;i&gt;Ordnungsamt&lt;/i&gt; - &lt;br /&gt;
Sehr geehrte Damen und Herren, &lt;br /&gt;
ich erstatte hiermit Anzeige gegen meine Nachbarn Karin &lt;s&gt;Mäh&lt;/s&gt; Mehler und Horst Landmann wegen verbotener Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere im Wohngebiet Hammelberg. Die Vorerwähnten lassen auf ihrem Hausgrundstück, das neben dem meinigen liegt, seit dem Frühjahr drei Schafe weiden. Die Tiere blöken bei Tag und Nacht so schrill, dass meine Familie nervlich am Ende ist und besonders meine Frau nur noch mit Hilfe von Tabletten Schlaf finden kann (Attest des Hausarztes liegt an). Auf meine Bitten, die Schafe zu entfernen oder wenigstens nachts einzusperren, haben meine Nachbarn nicht reagiert. Überdies verwöhnen sie ihre Schafe mit Streicheln und Leckerbissen derart, dass diese ständig schreien, wenn Frau Mähler und Herr Landmann nicht in der Nähe sind. Wir bitten dringend, dafür zu sorgen, dass in unserem Wohngebiet wieder Ruhe einkehrt. &lt;br /&gt;
Mit freundlichen Grüßen, Franz Wolf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(.....)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&quot;Mäh!&quot; wurde im Krimiwettbewerb des Odenwaldkreises mit dem 1. Preis ausgezeichnet und in die Anthologie &quot;MordsSchafe&quot; (Sieben Verlag, ISBN 978-3-940235-27-6) mit 30 ausgewählten Schafskrimis aufgenommen. &lt;br /&gt;
Näheres zum Wettbewerb siehe &lt;/i&gt;&lt;a href=&quot;http://www.lammwochen.de/schafskrimi.htm&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.bilder-hochladen.net/files/agp-8v.jpg&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
Foto: Brigitte Osenbrück</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Schafskrimi (Leseprobe)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-13T13:55:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://annarinnschad.twoday.net/stories/4763758/">
    <title>Grambach kniete auf dem Speicherboden und nahm zum zwanzigsten Male die Strickmaschine...</title>
    <link>http://annarinnschad.twoday.net/stories/4763758/</link>
    <description>Grambach kniete auf dem Speicherboden und nahm zum zwanzigsten Male die Strickmaschine in Angriff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strickmaschine bestand aus zwei parallelen Metallschienen, die »Betten« genannt wurden, zusammen bildeten sie ein Doppelbett. Nebeneinander lagen über hundert dünne Drahtnadeln in jedem Bett, in Reih und Glied ausgerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Seite saß ein Schieber mit handlichem Griff und umspannte beide Betten. Hier wollte die Strickmaschine angefasst werden. Das erkannte selbst ein Laie wie Grambach. Der Schieber mit Griff wirkte so auffordernd wie der Zipper an einem Reißverschluss. Ein paar Zentimeter ließ er sich auch leicht an dem Doppelbett entlangziehen, doch dann verklemmte sich etwas  im Inneren. Der Widerstand war fadendünn, aber eigensinnig  vielleicht eine Nadel, die sich dem Zugriff des Schiebers sperrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem grauen Plastikkoffer war jede Menge Zubehör. Grambach befingerte Haken, Kämme, Gewichte und Ersatznadeln. Auch ein gedrucktes Spiralheft mit Anweisungen war dabei. Von Schloss und Fadenführer war da die Rede, von Nadelrückholer, Hauptschlitten und Zusatzschlitten, Verlängerungsschienen, Abstreifern und Anschlagkämmen  »Das ist mir zu hoch«, murmelte Grambach und wie ein Echo in seinem Kopf hörte er Marthas Stimme: »Ich kann das nicht, ich krieg das nie hin.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strickmaschine hatte er als Geschenk für sie gekauft. Marthas Dank war nur lauwarm gewesen. Danach hatte sie Tage lang mit zerrauftem Haar über der Betriebsanleitung gesessen, umgeben von abgerissenen Wollfäden, die die Maschine zu hoffnungslosem Gehedder versponnen hatte. &lt;i&gt;Ich kann das nicht, ich krieg das nie hin. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend hatte sie wie immer auf dem Wohnzimmersofa gesessen, blaue  und graue Wollknäuel im Schoß. Ihre Finger arbeiteten schnell und präzise. Grambach blätterte in der Fernsehzeitung. Am Rand seines Blickfelds nahm er eine Bewegung wahr, ein beständiges, gleichförmiges Zucken. Das waren Marthas Hände, die Maschen abstrickten, eine nach der anderen; Hunderte, Tausende. Der Anblick  wenn man es so nennen konnte, denn er sah nicht richtig hin , die zuckende Bewegung an seiner Seite war ihm seit Jahren vertraut. Es war ihm, als läse er Zeitung neben einem Hamster, der in seinem Laufrad rennt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fragte: »Warum strickst du nicht auf der Maschine, die ich dir gekauft habe?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war gut gemeint gewesen. Sie sollte nicht so schuften, während er fernsah. Doch  Martha warf das Strickzeug hin und knallte die Tür hinter sich zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tag darauf hatte sie wieder mit der Betriebsanleitung gekämpft, mit dem Kundendienst telefoniert und unzählige Wollknäuel verfitzt. Manchmal war ihre Bettseite eine halbe Nacht lang kalt geblieben. Die Strickmaschine grinste mit spitzen Zähnen aus ihrem eigenen Doppelbett. Morgens putzte Martha mit einem Microfaser-Staubpinsel darüber, ölte behutsam mit Spezial-Strickmaschinenöl und sprühte Gleitspray auf die Betten. Zuweilen gab die Maschine dann ein Probeläppchen von ein paar Zentimetern Breite her. Zaghaft wuchs es unter dem Doppelbett heraus wie ein junger Pflanzentrieb, und Martha arbeitete hoffnungsvoll weiter, bis die Maschine das Gestrick  unvermittelt verstieß und von den Nadeln warf. Eingerollt wie ein welkes Blatt landete es auf dem Boden.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handstrickarbeit im Wohnzimmer setzte Staub an; Martha nahm sie immer seltener zur Hand. Die Strickmaschine grinste. Nach zwei Monaten wurde sie auf den Speicher verbannt. Martha holte noch einmal ihren angefangenen Pullover aus dem Wollkorb und legte ihn wieder weg. Sie schien nicht weiterarbeiten zu wollen, obwohl sich schon ein stattliches Rumpfstück entfaltete, wenn Grambach versuchsweise das Nadelspiel hob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenig später war Martha ausgezogen. Sie hatte weder die Strickmaschine mitgenommen noch den Pullover im Korb oder die Resteknäuel von früheren Handstrickarbeiten, die in zwei großen Kartons in ihrem Bügelzimmer lagerten. Sogar die Stricknadeln und die Nadellehre, von der sie sich sonst nie trennte, blieben in der Schublade. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Speicher grinste die Strickmaschine. Grambach stieg hin und wieder zu ihr hinauf. Manchmal versuchte er, den Schieber über das Doppelbett zu ziehen, aber er klemmte fest. Wahrscheinlich hatte die Maschine von Marthas schülerhaften Strickversuchen genug und wollte nun überhaupt nicht mehr belästigt werden. Im Innern des Schiebers sperrte sich etwas gegen den Zugriff, fadendünn nur, aber eigensinnig federnd  sicher eine Nadel, die nicht brav im Bett liegen wollte wie ihre Nachbarnadeln. Grambach beklopfte die Maschine wie ein störrisches Pferd und wischte Staub aus den Zahnreihen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Scheidungsprozess wurde die Strickmaschine Grambachs Vermögen zugerechnet und mit einem Wert von 2.500 Euro veranschlagt. Grambach wehrte sich nicht; schrieb Martha nicht einmal, sie  könne das Gerät abholen. Am Tag nach Ausspruch der Scheidung stieg er auf den Speicher und besah sich das vielnadlige Grinsen der Maschine. Der Fadenhalter wölbte sich über dem Doppelbett wie ein Galgen aus Draht. Von Marthas vergeblichen Versuchen, mit der Maschine zurechtzukommen, hing noch ein roter Wollfaden in der Drahtschlinge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grambach wickelte das Fadenende um den ersten Grinsezahn und packte den Griff. Langsam rutschte der Schieber an dem Doppelbett entlang. Der dünne Widerstand in seinem Inneren gab nach und verbog sich mit spitzem Aufschrei.  Unter dem Zubiss des Schiebers kräuselten sich die feinen Nadeln und erschienen, aus dem weiterrutschenden Schieber entlassen, wie geknickte Getreidehalme. Grambach stieß den Griff mit aller Kraft weiter bis ans Ende des Doppelbetts und wieder zurück. Ein Finger breit dunkelroten Gestricks bildete sich, zerlöchert, mit lose heraushängenden Fäden. Grambach zog den Schieber hin und her, vor Anstrengung keuchend. Die Maschine kreischte und unter dem Doppelbett wuchs ein Streifen roten Geschlinges heraus und kräuselte sich über den Speicherboden.</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Grambach strickt</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-06T11:02:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://annarinnschad.twoday.net/stories/4731437/">
    <title>Die See ist eine große blaue Kathedrale. In der Krypta wohnt die Tiefseefischin....</title>
    <link>http://annarinnschad.twoday.net/stories/4731437/</link>
    <description>Die See ist eine große blaue Kathedrale. In der Krypta wohnt die Tiefseefischin. Hier ist das Wasser nicht durchsichtig und strahlend wie der nächtliche Himmel, sondern dick und körperhaft, eine nachgiebige Wand aus Schwärze. Die Tiefseefischin hat lange, gekrümmte Zähne wie ein urweltlicher Tiger, der in die ewige Dunkelheit hinabgestiegen ist. Um ihren Weg zu finden, trägt sie ein Licht mit sich herum. An einem feinen, fühlerartigen Auswuchs aus ihrer Stirn hängt ein winziger Leuchtkörper und erhellt den Raum vor ihr wie ein Stablämpchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel sieht sie nicht damit. Nur ein kurzes Stück weit. Manchmal taucht in ihrem Lichtkreis ein Beutefisch auf, taumelt geblendet von der plötzlichen Helligkeit, und sie verschlingt ihn mit einem Haps. Manchmal streift ein zweiter Lichtkreis den ihren, und ein anderer Tiefseefisch schwimmt heran und beglotzt die Fischin mit einem misstrauischen Auge. Doch er ist nicht von ihrer Art und zieht gelangweilt vorbei. Die beiden Lichtkreise berühren einander wie Luftballons, die mit hohlem Blubb zusammenstoßen und sofort wieder auseinander streben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tiefseefischin durchschwimmt steinige Höhlen, liest die Runenschrift an den Felswänden und leuchtet mit ihrem Lämpchen in schwarze Löcher, die sich dazwischen auftun. Manchmal öffnen sich Schlünde, die so tief sind, dass selbst sie sich nicht hineintraut. Doch instinktiv weiß sie, dass dort nichts lebt außer Bakterien und Würmern. Die zählen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht gibt es jemanden von ihrer Art irgendwo in der schwarzen Wand. Doch wie soll sie ihn finden, wo sie nur ein kurzes Stück weit sehen kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle paar Wochen wagt sie kurzzeitig den Weg hinauf.  Sie wartet den Neumond ab. Trotz des Nachtdunkels fühlt  sich das Wasser auf dem Weg nach oben zunehmend heller und luftiger an. Die Tiefseefischin fürchtet sich und strebt in die Tiefe zurück, doch ehe sie sich wieder auf dem Heimweg macht, schlingt  und schluckt sie hastig noch mancherlei in sich hinein, denn hier oben ist die Beute dicht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nie sieht sie einen Fisch ihrer Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Nachts versäumt sie die Zeit und sieht zum ersten Mal das Anbrechen des Morgens durch die Wasseroberfläche. Über ihr strahlt alles wie Kristall und vor der leuchtenden Bläue verblasst ihr eigenes Laternchen. Die Tiefseefischin möchte aufsteigen, traut sich aber nicht; ein dumpfer Druck in ihren Eingeweiden warnt sie, sich diesem fernen Strahlen anzuvertrauen. Doch über sich sieht sie das silbrige Funkeln und Zappeln von Hunderten fremdartiger Fische. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einzelner schlanker Fisch zickzackt über ihr umher. Die Tiefseefischin sieht ihn gerade deutlich genug, um zu erkennen, dass er weder zum Fressen ist noch ein Fisch wie sie. Zur Freude geboren scheint er und schlägt übermütige, funkelnde Schleifen. Sekunden später verschwindet er nach oben, wo sich das Gleißen des Morgens immer greller entfaltet. Die Tiefseefischin schwimmt ihm nach. Doch der schmerzhafte Druck in ihr nimmt zu. Ein fremdes Etwas in ihrem Inneren bläst sich auf und droht sie zu sprengen. Sie jammert lautlos. Endlich kehrt sie um. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zweitausend Metern Tiefe ruht sie am Boden aus. Ihr Lämpchen entzündet sich wieder und bildet eine kleine Insel in der Dunkelheit.</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Die See ist eine blaue Kathedrale</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-24T15:41:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://annarinnschad.twoday.net/stories/4112545/">
    <title>Das Zappelkaninchen baumelt an einer silbernen Kette. Es ist nur etwa zwei Zentimeter...</title>
    <link>http://annarinnschad.twoday.net/stories/4112545/</link>
    <description>Das Zappelkaninchen baumelt an einer silbernen Kette. Es ist nur etwa zwei Zentimeter hoch. Sein Kopf mit den langen Ohren ist fest mit der Aufhängeöse verlötet und kann sich nicht rühren, ohne die Kette zu verheddern. Aber der rundbäuchige Körper dreht sich frei um den lose eingehängten Hals, und ebenso sind auch die vier Beinchen beweglich an den Körper gefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es also nach Lust und Laune zappeln kann, ist das Zappelkaninchen sich selbst ein Ärgernis. Die Hinterbeinchen zum Beispiel sind viel zu kurz. Eigentlich sehen sie eher wie menschliche Beine aus mit kleinen Füßen. Das Zappelkaninchen weiß nicht viel von sich selbst, ist aber instinktiv sicher, dass es lange, muskulöse Hinterbeine haben sollte zum Springen und Rennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben als Wildkaninchen hat es beinahe ganz vergessen. Doch es weiß noch, wie es Stallkaninchen war. Damals hatte es nicht viel Platz und kaum Unterhaltung außer Fressen. Aber es konnte mit den Hinterbeinen trommeln und mit den Vorderpfoten kratzen, wenn jemand kam und den Futternapf zum Auffüllen aus dem Stall hob oder mit der Kehrschaufel das schmutzige Stroh herausscharrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlicher noch ist die Erinnerung an das Leben als Zwergkaninchen. Es hatte wieder viel Platz zum Herumhoppeln, bekam Leckerbissen und wurde oft gestreichelt. Trotzdem scharrte und kratzte es wie gewohnt im Stroh. Wenn es Lust dazu hatte, sprang das Kaninchen aus dem Stand einen halben Meter hoch, so stark waren seine Hinterbeine. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit es an der Silberkette baumelt, trommelt und springt es nicht mehr. Die Vorderbeine unnatürlich gewinkelt, die Hinterbeine viel zu kurz, hängt es über einem knochigen Brustbein und verdreht sich vor Unmut. Die Besitzerin des Zappelkaninchens betastet es immer wieder, ob es auch ordentlich hängt, die Füßchen und die gewinkelten Vorderbeine nach vorn, wie es sich gehört. Manchmal dreht sich das Zappelkaninchen ganz herum und wendet den Unterkörper der Frau zu, obwohl das Gesicht weiter nach außen zeigt.  Das ärgert die Frau. Immer wieder fingert sie an dem Zappelkaninchen herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages landet das Zappelkaninchen mitsamt der Kette in einer Pappschachtel. Die Frau trägt jetzt etwas anderes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lange schläft es zwischen Watteschichten. Ruhen und Dösen ist es gewohnt aus seiner Zeit als Stallkaninchen. Doch plötzlich wird es aus dem Wattekokon befreit. Die Kette wird gespreizt, um einen Hals gelegt, im Nacken geschlossen. Es ist ein viel dickerer Hals als früher. Das Zappelkaninchen hängt knapp unter einem haarigen Schlüsselbein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel sieht es nicht von der Welt. Der neue Besitzer hat die Kette so gedreht, dass das Zappelkaninchen mit dem Gesicht zu ihm hängt. Vielleicht ist er kurzsichtig und weiß es nicht besser, und es gibt niemanden in seiner Umgebung, der ihn auf den Fehler hinweist. Das silberne Zappelkaninchen baumelt  verkehrt herum an der Kette und drückt die Mümmelnase in das Brustfell seines Besitzers. Das Fell ist warm und weich, das Herz donnert gegen die Rippen. Das Kaninchen hört das Pumpen des Atems und den gleichmäßigen Wellengang des Blutes, das in das Herz strömt und wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt dreht es nicht mehr den Unterleib und die gewinkelten Vorderbeinchen; es bleibt seinem Menschen zugewendet hängen, alle vier Beine in dem dichten Brustfell, die Ohren an die warme Haut gelegt.  Zum ersten Mal seit langer Zeit beginnt es zu trommeln und zu kratzen. Lustvoll klopft es gegen die warme Haut und wühlt sich in das fremde Fell, scharrt und gräbt. Es kratzt sich einen dunklen Gang hinab in die Tiefe des dröhnenden Brustkorbs.</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Das Zappelkaninchen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2007-07-27T15:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://annarinnschad.twoday.net/stories/3534675/">
    <title>Drei Wochen nach Professor Erdmanns Unfall besichtigte sein Kollege Goth dessen ehemaliges...</title>
    <link>http://annarinnschad.twoday.net/stories/3534675/</link>
    <description>Drei Wochen nach Professor Erdmanns Unfall besichtigte sein Kollege Goth dessen ehemaliges Büro. Zwar war die Professur noch nicht aufgelöst und die Semesterferien standen kurz bevor, aber das hielt Goth nicht davon ab, symbolisch Besitz von den Räumen zu ergreifen: Man würde sie ihm zuteilen, inoffiziell stand das bereits fest. Ein wenig außer Atem  das Büro lag im vierten Stock und Professor Goth verachtete Fahrstühle  rieb er sich die Hände, registrierte die weißen Wände, das glänzende Parkett und die Fenster, durch die das Sonnenlicht einfiel. Die Fenster lagen nach Südwesten und reichten bis zum Boden, in Kniehöhe mit Eisengeländern gesichert. In seiner alten Professur mit den Nordfenstern sah Goth kaum je etwas anderes als graues Tageslicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall wucherte Grünzeug, wie beim Kollegen Erdmann nicht anders zu erwarten. Pflanzen waren seine Passion gewesen. Die zwei Treibhäuser auf dem Campus, in denen er Tomaten, Bohnen und Kohlrüben wechselweise mit Händel, Gorecki und Guns N Roses berieselt hatte, wurden nun von jemand anderem betreut. Professor Goth hatte keine Ahnung, wer Erdmanns Versuchsreihe fortsetzte, und es war ihm auch egal. Was ihm nicht egal war, das waren die Büroräume. Da seine eigene Forschung sich derzeit auf die DNA von Erbsen konzentrierte, hatte er nicht die Absicht, in einem Dschungel zu arbeiten. Mit mühsam verhohlener Gereiztheit zeigte er auf das Durcheinander von blühenden Orchideen, Bromelien und zwei Kübeln mit riesigen &lt;i&gt;ficus benjamini&lt;/i&gt;. »Das muss alles weg, ich kann so nicht denken, das nimmt mir die Luft!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wir kümmern uns darum, Herr Professor!«, versicherte die Sekretärin. »Professor Erdmanns Frau wird alles in den nächsten Tagen abholen. Lassen Sie ihr doch ein bisschen Zeit!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich lag es Goth fern, die Witwe zur Eile anzutreiben. Es war auch nicht nötig: Noch vor Beginn des Wintersemesters waren Erdmanns Möbel ausgeräumt, die Zimmerflucht gründlich geputzt und gelüftet. Ein Trüppchen Studenten besorgte Goths Umzug. Inmitten eines jungfräulich weißen Büros erwarteten ihn sein alter Schreibtisch, die Regale mit Aktenordnern und das Schränkchen mit der Weinbrandflasche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sekretärin übernahm Goth gleich mit: Seine eigene war seit April in Mutterschaftsurlaub. Das hatte Goth seinerzeit in eine tiefe Krise gestürzt. So großartig war sie zwar nicht gewesen  eine pummelige, strubbelige, konsequent ineffektive Person , aber allein die Vorstellung, eine Neue anzuwerben und einzuarbeiten, türmte sich vor ihm wie ein abstoßend grauer Berg zusätzlicher Arbeit. Erdmanns Sekretärin war ein wahres Goldstück, trotz ihres grün gestreiften Raspelhaarschnitts. In wenigen Wochen kannte sie sich in seinem Papierkram besser aus als er selbst, verstand aufs Beste Studenten abzuwimmeln und Goths Earl Grey erstklassig zuzubereiten. Wenn seine Alte überhaupt zurückkehrte, beschloss er, würde er ihr den Laufpass geben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goth richtete sich ein. Der Spätsommer war heiß und sonnig, Erdmanns Grünkram verschwunden und die Professur kahl. So ganz steril und weiß fand Professor Goth das auch wieder nicht gut. Das Sonnenlicht wurde von den weißen Wänden reflektiert und gleißte auf seinen Papieren und dem Computerbildschirm. Er ließ einen blauen Druck von Chagall aufhängen und suchte sich auf seine Erbsen zu konzentrieren. Die Helligkeit machte ihm weiter zu schaffen. Ein paar Mal zog er die Vorhänge zu, aber das kam ihm vor wie Flucht. Die Aussicht war doch so schön! Aus seinem alten Nordfenster hatte er nur kümmerliche Feuerdornsträucher gesehen. Hier öffnete sich der Blick auf uralte Kastanien, unter denen Wildkaninchen umhersprangen. Der einzige Schönheitsfehler war ein Komposthaufen unter einem seiner Fenster. Bei anhaltend trockenem Wetter roch er nach frischem Heu von dem Rasenschnitt, den die Hausmeister dort abluden. Nur wenn es richtig schwül war, begann der Haufen gemein zu riechen. Einfach gemein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal stand Professor Goth am Fenster, betrachtete den Komposthaufen und schnupperte. Der Geruch ließ ihn nicht los. Professor Erdmann hatte ihn sicher gemocht. Aber es war nicht dieses Fenster, aus dem er seinen tödlichen Sturz getan hatte, das wusste Professor Goth. Auf den Komposthaufen zu fallen, hätte ihn nicht umgebracht. Nein, er war aus einem Fenster im Vorzimmer gestürzt, als die Sekretärin gerade in der Mittagspause  weilte. Unter dem Fenster war Kopfsteinpflaster. Üblicherweise standen dort Müllcontainer, aber an diesem Tag hatte man sie zum Leeren weggeschafft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts hatte den Sturz aufgehalten, Professor Erdmann war auf das erbarmungslos harte Pflaster geknallt und sofort tot gewesen. Und wie man hörte,  starb mit ihm auch seine Versuchsreihe, denn die Tomaten, Bohnen und Kohlrüben in den Gewächshäusern wollten seit seinem Tod nicht mehr so recht gedeihen, obwohl Erdmanns Studenten gewissenhaft weiter Händel, Gorecki und Guns N Roses im Wechsel applizierten. Diese Tatsache hatte etwas Befriedigendes. Ja, Professor Goth war durchaus zufrieden, dass diese Versuchsreihe nun im Sand verlief. Und schließlich hätte auch Erdmann sich darüber gefreut, dass sein Grünzeug ihn vermisste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vorzimmer der Professur wuchs ein wahres Ungetüm von einer Pflanze. Professor Goth, seiner sterilen weißen Wände müde, betrachtete es eines Tages mit begehrlichen Augen und fragte die Sekretärin: »Was ist das eigentlich für ein Gewächs?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das hat schon immer hier gestanden«, war die Antwort. »Professor Erdmann hat sich darum gekümmert.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Und wie heißt es?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Professor Erdmann nannte es Monstera. Die deutsche Bezeichnung kenne ich leider nicht.« Sie holte aus einer Schublade einen Zimmerpflanzenführer und schlug nach. »Ja, da haben wir es: &lt;i&gt;Monstera deliciosa&lt;/i&gt;.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das köstliche Ungeheuer«, übersetzte Professor Goth lehrerhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte große Lust, der Sekretärin die Pflanze abzuschwatzen, ließ es dann aber doch bleiben. Die grün gestreifte Dame schien die Monstera als Erdmanns geheiligtes Vermächtnis zu betrachten und betreute sie mit stiller Effizienz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goth sah das mit Missvergnügen. Die Professur hatte er sich gewünscht und bekommen, die Sekretärin hatte er gewünscht und bekommen ... warum bekam er nicht auch die Pflanze, die er sich wünschte? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Monstera trauerte um Erdmann. Ende September stellte die Sekretärin fest, dass alle Blätter fahlgelbe Flecken aufwiesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Irgendwas stimmt da nicht!«, klagte sie und hantierte mit Düngemittel und Pilzspray. »Ich hab keine Ahnung, was das sein kann, so was hab ich noch nie gesehen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie mittags zu Tisch ging, schlich der Professor ins Vorzimmer und zählte die Blätter des Ungeheuers durch: Es waren nicht weniger als hundertachtundsiebzig Stück, und alle wiesen exakt das gleiche deutlich ausgebildete Fleckenmuster auf, als habe die Pflanze sich entschlossen, über Nacht einen komplett neuen Look anzunehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Professor Goth riss ein Blatt ab, nahm es mit in sein Arbeitszimmer und versenkte sich in die Betrachtung der Flecken. Ihm war, als wolle das Blatt ihm etwas mitteilen, aber die Kraft reichte nicht  seine eigene oder die des Blattes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wurde gestört durch den Besuch zweier Studenten, die ihn etwas fragen wollten. Ihre breiten Schultern und muskulösen Arme  die beiden sahen aus wie die Brüder Klitschko  brachten Goth auf eine Idee. Er wies sie an, das Ungeheuer aus dem Vorzimmer in sein eigenes hinüberzutragen. Dort, neben dem Fenster mit dem Komposthaufen, war ein guter Platz. »Dir werd ich die Flausen schon austreiben«, murmelte er vor sich hin und merkte kaum, dass die beiden Studenten im Hinausgehen vielsagende Blicke wechselten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schloss sein Büro ab und holte sich zwei belegte Brötchen aus einem nahe  gelegenen Feinkostgeschäft. Neben der Kasse stand ein großer Korb mit Äpfeln. Jeder Apfel hatte auf seiner roten Schale ein kleines gelbes Herz.&lt;br /&gt;
Er nahm einen heraus und rieb ihn an seinem Jackett blank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Faszinierend, nicht wahr?«, bemerkte die Kassiererin. »Wissen Sie, die Apfelbauern kleben so kleine Papierherzchen auf die Äpfel, dann werden sie an dieser Stelle nicht rot, sondern bleiben hell.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das ist mir klar, junge Frau«, gab der Professor zurück. »Wer sollte das besser wissen als ich. Ich bin Biologe.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erblühte rot. Unwillkürlich erwartete der Professor auf ihren Wangen gelbe Herzchen erscheinen zu sehen, aber natürlich geschah nichts dergleichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Nachmittag schnitt er von dem Ungeheuer zwei weitere gefleckte Blätter ab und begab sich ins Labor. Wie er gehofft hatte, war es leer; das schöne Spätsommerwetter hatte seine Doktoranden frühzeitig in den Feierabend getrieben. Professor Goth  zündete einen Brenner an, stellte einen Dreifuß darüber und setzte ein Messglas mit Spiritus auf. Binnen kurzem begann der Spiritus zu sieden. Obwohl der Abzug auf vollen Touren lief, drang ein stechender Geruch heraus. Der Professor legte die  Blätter in das Glas und sah zu, wie das Ganze kochte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zehn Minuten waren die Blätter fahlgelb. Goth holte sie mit einer Pinzette aus dem Glas und spülte sie unter fließendem Wasser gründlich ab. »Nun wollen wir doch mal sehen ...«, murmelte er. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ging es weiter? »Stärkenachweis ... Kaliumiodid ...« Richtig: Iod-Kaliumiodidlösung. In einem gut sortierten Labor natürlich vorhanden. Er holte die braune Flasche aus dem Schrank, ließ die Flüssigkeit in ein neues Glas blubbern und legte die Blätter hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stirnrunzelnd beobachtete er die Vorgänge im Glas, wie ein Fotograf in der Dunkelkammer sein Entwicklerbad.&lt;br /&gt;
Und tatsächlich tat sich etwas ... die Blätter wurden erneut fleckig. Nur mit umgekehrten Vorzeichen. Da, wo sie vorher dunkel gewesen waren, wurden sie nun hell. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Da soll aber doch ...!«, entfuhr es dem Professor. Nun, da sich das Negativ zum Positiv gewandelt hatte, erkannte er deutlich das Bild in dem Fleckenmuster. Es war ein Porträt seines eigenen Gesichts. Immer deutlicher bildete es sich aus, so gestochen scharf, dass sogar ein Ausdruck zu erkennen war: verzerrt von Wut oder einer gewaltigen Kraftanstrengung. Oder beidem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Eile räumte der Professor seine Gerätschaften weg, beseitigte alle Spuren und schloss das Labor ab. Das durfte nicht sein, da war Hexerei am Werk. Die Pflanze hatte ihn fotografiert!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, er erinnerte sich genau, wie er immer wieder Erdmanns Revier mit begehrlichen Blicken betrachtet hatte. Die großen, hellen Räume und die stille, tüchtige, effiziente Sekretärin. Erst recht nachdem seine eigene Sekretärin, diese unfähige, pummelige, strubbelige Person, angekündigt hatte, in Mutterschaftsurlaub zu wollen, als ob es nichts Wichtigeres gäbe. Er erinnerte sich auch an ein Gespräch mit Professor Erdmann irgendwann im Sommersemester, eine wenig kollegiale Diskussion über Studenten, die ihre Zeit in Erdmanns Gewächshäusern verplemperten. Im Vorzimmer der Professur war das gewesen. Erdmann, obwohl schon beinahe siebzig, hatte angekündigt, noch mindestens zwei Jahre weiterzumachen. Da stand er, klein und grauhaarig, und beharrte auf seinem Recht, noch zwei Jahre die Professur zu blockieren, die Sekretärin, die Forschungsgelder für seine musikalischen Experimente und die Arbeitskraft der Studenten. Noch &lt;i&gt;mindestens&lt;/i&gt; zwei Jahre. Und Goths Forschungen mit der Erbsen-DNA hatte er als »Beitrag zum gentechnologischen Terror« bezeichnet. Das Fenster stand einladend offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das Ungeheuer daneben sah zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück ins Büro. Die Sekretärin war auf einem Dienstgang. Das fleckige Ungeheuer machte sich in Goths Zimmer breit und schrie sein Wissen in die Welt hinaus. Professor Goth stürzte sich auf den Pflanzkübel und zerrte ihn zum Fenster. Die schmiedeeiserne Brüstung reichte bis zu seinen Knien. Mit aller Kraft hievte er den Kübel hoch. Das war doch gelacht  er hatte Erdmann gestemmt, nun würde er doch wohl auch das Ungeheuer stemmen können. Schwer atmend stützte er den Kübel auf das Geländer. Die braunen Luftwurzeln wedelten um sein verschwitztes Gesicht herum, als suchten sie Halt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Hasta la vista, Baby!«, stieß Goth hervor und wuchtete den Kübel über die Kante. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sie müssen zugeben, das ist wirklich ein eigenartiges Zusammentreffen, zwei tödliche Stürze in Folge«, stellte der Kommissar fest und zupfte sich ein paar grüne und braune Blatt- und Wurzelfetzen von seinem blauen Hawaiihemd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dekan der Universität, silberhaarig und in vornehmes Anthrazit gekleidet, schwitzte aus allen Poren. »Ich kann mir das auch nicht erklären ... die Geländer sind streng nach Bauvorschrift angebracht!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsichtig lehnte der Kommissar sich hinaus. »Genau genommen drei Tote, wie es aussieht«, murmelte er in sich hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wie meinen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich meine die Pflanze.« Das Pflaster unterhalb des Fensters war mit einer Blutlache bedeckt. Rundherum war alles übersät mit Scherben eines Pflanzkübels, zerfetzten Blättern und Erdbrocken. »Ein Philodendron, nicht wahr?«, bemerkte der Kommissar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sekretärin widersprach nicht. Immer noch schwach in den Knien, lehnte sie in Goths Schreibtischstuhl  sie hatte die Leiche gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Anscheinend«, stellte der Kommissar fest, »wollte der Professor das Gewächs durch das Fenster befördern. Und dabei haben sich wohl die Dinger hier im Geländer verfangen, oder?« Um die Eisenstangen hingen abgerissene Luftwurzeln. »Dadurch verlor er das Gleichgewicht und ging mit über Bord.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dekan lockerte seinen Schlips. »Wissen Sie, Herr Kommissar, eigentlich hätte da gar nichts passieren dürfen, normalerweise ist unter dem Fenster der Lagerplatz für unseren Rasenschnitt. Aber gerade heute ist alles weggeschafft  es wurde zu viel, verstehen Sie, die Hausmeister haben es in Säcke gefüllt und zur Biomülldeponie gefahren. Tragisch, wirklich tragisch. Wäre das hier gestern passiert, der Kollege Goth wäre weich gefallen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Tja. Tragisch.« Der Kommissar wickelte die braunen Stränge vom Geländer ab und rollte sie sich um die Finger. »Ist schon verrückt, es sieht beinahe aus, als hätte die Pflanze versucht, sich festzuhalten, was? Wer weiß schon, was so ein Riesengewächs fertig bringt, wenn es um Leben und Tod geht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sekretärin hatte sich aus dem Bürostuhl aufgerafft und trat neben ihn. Mit deprimierter Miene schaute sie aus dem Fenster auf das Pflaster, auf dem Goths übel zugerichtete Leiche gelegen hatte. »Professor Erdmann hätte sich gefreut, wenn er Sie gehört hätte, Herr Kommissar«, lächelte sie unter Tränen. »Er sagte immer, Pflanzen bringen weit mehr fertig, als wir ahnen.«</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Goth und das Ungeheuer</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-06T20:50:00Z</dc:date>
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    <title>Frau Professor Dr. Nike (eigentlich Berenike) Bechstein residierte in einem Arbeitszimmer,...</title>
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    <description>Frau Professor Dr. Nike (eigentlich Berenike) Bechstein residierte in einem Arbeitszimmer, das keinerlei persönliche Note besaß. Es gab weder Familienfotos auf dem Schreibtisch noch Blumentöpfe auf dem Fensterbrett. Selbst die Unordnung, das übliche Gelehrtenchaos von Papieren und Büchern auf Möbeln und Fußboden, wirkte wie für eine Filmaufnahme arrangiert. Dorothea hätte sich nicht gewundert, wenn die Buchrücken in den Regalen sich bei näherem Hinsehen als Pappwände erwiesen hätten, wie die Attrappen in einem Möbelladen. »Herein«, rief die Professorin mit heller Stimme, als Dorothea schon eingetreten war und im Zimmer stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Guten Tag«, begann sie unsicher. »Ich bin Dorothea Tragus. Ich hatte Sie angerufen ... Sie wissen doch, vom ethologischen Institut ...« Ihre Stimme verlor sich, da die Professorin sie verständnislos anstarrte. »Wie bitte?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Vom ethologischen Institut«, wiederholte Dorothea. »Wegen der Digitalisierung von Tonaufnahmen. Ich habe gestern angerufen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Angerufen?« Die Professorin bückte sich, hob eine abgewetzte schwarze Kladde vom Fußboden auf den Schreibtisch und blätterte in eselsohrigen Seiten, die mit Bleistiftnotizen bedeckt waren. »Das müsste ich mir doch aufgeschrieben haben ...« Mit ihrem dünnen Zeigefinger fuhr sie eine Seite hinunter. »Richtig, da haben wirs doch.« Sie blickte auf. »Dorothea Tragus?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dorothea nickte. Groß und linkisch stand sie vor der zierlichen Professorin, die in dem schweren Schreibtischsessel mit hoher Rückenlehne hockte wie ein Vogel im Loch seines Nistkastens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Setzen Sie sich.« Die Professorin kratzte mit dem dicken Ende des Bleistifts ihr kurzes hellgraues Haar. »Was kann ich also für Sie tun?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich arbeite über Tiersprachen. Am ethologischen Institut. Wir untersuchen die Methoden der Kommunikation durch Lautäußerung im Tierreich«, erklärte Dorothea und ließ sich unbeholfen auf der Kante eines Sessels nieder. »Hauptsächlich am Beispiel der Meeressäuger ... verstehen Sie?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Walgesänge?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nnnnnein ... vielleicht beziehe ich das noch ein, aber einstweilen muss ich mich auf Tiere beschränken, die ich hier in Europa beobachten kann. Ich dachte an die Adria-Delfine. In diesem Sommer fahre ich für ein paar Monate nach Kroatien. Ich habe ein Förderstipendium dafür bekommen. Ich habe gehört«, fuhr Dorothea mutiger fort, »dass Sie ein Computerprogramm entwickeln, das Tierlaute im Ultraschallbereich in Bilder umwandelt ... kann man das so sagen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nicht ganz.« Aus ein paar Metern Entfernung wirkte die Professorin beinahe wie ein Kind, doch beim näheren Hinsehen war zu erkennen, dass ihre zarte Haut zerknittert war und sich um die Augen strahlenförmig zu Lachfältchen furchte. Sie trug keinerlei Make-up, und ihr Haar war weder gefönt noch gekämmt, sondern auf gut Glück zurecht gestrichen und umschloss den kleinen Kopf wie ein silbergrauer Pelz. »Ich untersuche Ortungsrufe im Ultraschallbereich. Mir geht es dabei nicht um Kommunikation, sondern um die Orientierung des einzelnen Tiers. Um das Raumbild, das sich ein Einzeltier mit Hilfe der Ortungsrufe erstellt. Die Gesangslandkarte.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sie arbeiten mit Fledermäusen, nicht wahr?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nun ja«, die Professorin lächelte, »&lt;i&gt;mit&lt;/i&gt; Fledermäusen, so würde ich das nicht nennen. Ich werte nur die Tonaufnahmen aus. Dazu brauche ich die Tiere nicht zu sehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sie machen die Aufnahmen nicht selbst?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Aber keineswegs.« Für einen kurzen Augenblick verzerrte sich das schmale, kluge Gesicht zu einer Grimasse der Angst und des Ekels. »Ich schleiche nicht mit Taschenlampen in Höhlen herum. Das überlasse ich meinen Hiwis. Womit kann ich Ihnen denn nun helfen, Frau Tragus?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dorothea lachte verlegen. »Ich wollte eigentlich nur wissen, wie Sie Ihre Tonaufnahmen von Fledermausrufen filtern.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das mache ich auch nicht selbst. Ich kenne ein sehr leistungsfähiges Tonstudio, dort schicke ich alle meine Aufnahmen hin.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wäre es wohl möglich ... würden Sie mir die Adresse geben?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Professorin blinzelte Dorothea irritiert an. »Nein, selbstverständlich nicht! Das bleibt mein Betriebsgeheimnis. Ich bin heilfroh, dass ich dort jemanden gefunden habe, der sich um meine Aufnahmen kümmert. Wenn nun nächste Woche alle meine Kollegen hinrennen mit ihren eigenen Aufnahmen ... Hundegebell und Katzenschnurren, Wiehern und Gackern ... Gott bewahre!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es bleibt unter uns, ich sage es niemandem weiter. Bitte! Ich habe meine Delfinstimmen schon ins Hausstudio gegeben, aber das Ergebnis war einfach nicht gut genug. Zu viele störende Nebengeräusche. Das ist bei Unterwasseraufnahmen immer problematisch. Der Schall trägt zu sehr im Wasser ...«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Professorin legte den Bleistift weg und die Fingerspitzen gegeneinander. »Bringen Sie mir in Gottes Namen die Aufnahmen. Ich gebe sie weiter. In ein, zwei Wochen können Sie hier die CDs abholen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das ist furchtbar nett.« Dorothea faltete ihre langen Beine aus dem Sessel und stand auf. Auch die Professorin erhob sich. Im Stehen reichte sie Dorothea gerade bis zur Schulter. Sie trug eine Hemdbluse aus einem dünnen grauen Stoff, der ihre schmale Figur lose umflatterte. »Ich würde Ihre Arbeit gern einmal sehen. Vielleicht gibt es ein paar Parallelen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Es wäre mir eine Freude«, sagte Dorothea geschmeichelt. »Aber ich beschäftige mich nicht mit Ortungsrufen. Nur mit Kommunikation.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Aber Wale scannen ihre Umgebung auch, soweit ich weiß. Stellen Sie sich vor, man könnte das Prinzip nachahmen, nach dem die Tiere ein Lautbild in ein dreidimensionales Bild umdenken, wäre das nicht phantastisch? Man könnte gehörte Landschaften in sichtbare wandeln.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Und das ist das Ziel Ihres Programms?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unter anderem, ja. Ich nehme allerdings an, Delfinstimmen brauchen ein anderes Programm als Fledermausstimmen.« Die Professorin lächelte. »Aber das Prinzip ist sicher das gleiche. Wir können uns gern einmal zusammensetzen, sobald Sie erste Ergebnisse haben.« Sie streckte Dorothea die Rechte hin. Ihre Hand war überraschend groß für eine so kleine Person, die Finger schmal und knochig. »Grüßen Sie die Delfine.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Danke ... und grüßen Sie die Fledermäuse.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hand versteifte sich, wurde heiß. Wieder ging ein Zucken über ihr Gesicht. »Also, auf Wiedersehen.«</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Wände (Leseprobe)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-19T11:48:00Z</dc:date>
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    <title>Da liegt es, vor ihrer Tür. Kaum zu sehen unter dem Haufen welker Blätter, die der...</title>
    <link>http://annarinnschad.twoday.net/stories/3337286/</link>
    <description>Da liegt es, vor ihrer Tür. Kaum zu sehen unter dem Haufen welker Blätter, die der nächtliche Wind in den Eingang geblasen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cora wischt das Herbstlaub von der Schwelle, hebt das Päckchen auf und schubst die Blätter in den Rinnstein. Das, was vom Rinnstein übrig ist. In ihren Laden zu kommen, gleicht einem Hindernisrennen. Zuerst die Absperrungen: Es gibt keine Parkplätze, die Straße ist nur noch einspurig befahrbar. Wer von der falschen Seite kommt, hat das Nachsehen. Ein Schild »Fußgänger andere Straßenseite benutzen« scheucht jeden potentiellen Kunden vom Schaufenster weg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer bei trotzdem etwas bei Cora kaufen will, muss sich seinen Weg über einen wackligen Brettersteg suchen. Darunter gähnt ein Abgrund von Schotter und Matsch. Das geht so seit Wochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann hat sich Cora eine Flasche Sekt unter die Theke gestellt für eine besondere Gelegenheit, etwa wenn eine Kundin für einen Hunderter einkaufen sollte. Der Sekt steht schon sehr lange da und das Haltbarkeitsdatum ist längst überschritten. Wie auch das ihres Warenangebots. Kürbiswindlichter, Filzfledermäuse, Blumenstecker in Vogelscheuchenform, aus Pfeifenputzerdraht gebastelte Hexlein fürs Fenster: alles abgelaufen. »Genauso wie ich selbst«, denkt sich Cora bissig. Inzwischen ist es schon Dezember; keiner wird mehr Kürbiswindlichter kaufen und neue Ware (diesmal in Gestalt von Adventskalendern, Holznikoläusen und Papp-Engelchen) mag sie gar nicht erst bestellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schräg gegenüber von ihrem Laden steht der Imbisswagen der Bauarbeiter. Es sind entweder jeden Tag andere oder sehr viele, jedenfalls sieht Cora immer neue Gesichter. Bei der Größe der Baustelle wäre denkbar, dass Dutzende von gelb behelmten Männern am Werk sind. Voran geht es trotzdem nicht. Im Gegenteil, die Absperrungen und Engstellen werden immer mehr. Die Baustelle erstreckt sich schon durch die halbe Innenstadt wie eine eklige Hautkrankheit, die immer neue Körperpartien befällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laden knipst Cora die beiden Salzsteinlampen an, die das Schaufenster flankieren, und öffnet das Päckchen. Es enthält eine hölzerne Haarspange in Form eines Ahornblatts. Die angehängte Karte wünscht in linkslastiger Handschrift: »Einen fröhlichen Tag!« &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cora lächelt. Fast jeder zweite Tag bringt eine neue Überraschung. Die beiden Pikkolos vorgestern, eine gute Sorte. Die Tüte feinstes Magenbrot letzte Woche mit dem schwerhändig gekrakelten »Guten Appetit!« war auch nicht schlecht. Der hellblaue Viskoseschal  nichts Teures, aber mit Geschmack ausgesucht und genau zu ihrem blauen Mantel passend. Die anhängende Grußkarte war ebenfalls blau und mit einem eleganten blauen Zweizeiler versehen. Und das kleine silberne Ginkgoblatt an einer dünnen Kette liebt sie ganz besonders. Es waren Grüße dabei in drei verschiedenen Handschriften. Cora trägt das Blättchen jeden Tag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen ist es noch winterlich dunkel. Cora tritt in ihr Schaufenster zwischen die beiden Salzsteinleuchten. &lt;br /&gt;
Ganz langsam knöpft sie ihren Mantel auf, streift ihn von den Schultern und lässt ihn zu Boden fallen. Der hellblaue Schal flattert hinterher. Cora tastet nach dem Haarknoten in ihrem Nacken und zieht die Nadeln heraus. Ihr Haar ist Coras Stolz; noch immer fällt es lang und dicht wie ein schwarzer Vorhang. Sie schüttelt es kräftig aus, lächelt hinaus ins Dunkel und hebt die Hand zu einem flüchtigen Winken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend findet sie neben der Ladentür eine rote Baustellenlampe, sorgfältig auf Hochglanz gebracht. Cora stellt sie auf das Regal im Schaufenster, zwischen die beiden Salzsteinleuchten, die Kürbisse, die Fledermäuse und Vogelscheuchenmännchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morgen wird sie etwas Besonderes anziehen.</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Cora, abgelaufen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-18T23:29:00Z</dc:date>
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    <title>Das Kaninchen ist nicht viel größer als eine Männerfaust. Sein weißes Fell ist an...</title>
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    <description>Das Kaninchen ist nicht viel größer als eine Männerfaust. Sein weißes Fell ist an den Ohren dunkel gefleckt. Die Mitarbeiterin des Tierheims kennt es erst seit wenigen Wochen und weiß nicht genau, wo es herkommt. Doch kann sie versichern, dass das Tier gesund ist und alle notwendigen Impfungen bekommen hat. Mit vielen guten Wünschen übergibt sie es den neuen Besitzern: zwei Mädchen, die von ihrer Mutter begleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierheim hat das Kaninchen geschwiegen und sich darauf beschränkt, hinter dem Maschendraht Klee zu mümmeln. In seinem neuen Zuhause redet es ununterbrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleine Schwester bemerkt es als erste. Bevor das Kaninchen ins Haus kam, hat sie sich kundig gemacht und ein Buch über artgerechte Haltung gelesen. Aus diesem Buch weiß sie, dass Kaninchen stumme Tiere sind. Nur wenn sie gereizt werden, fauchen oder grunzen sie. Vielleicht können sie auch schreien, aber das tun sie sicher nur in Todesnot. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Kaninchen mit den gefleckten Ohren schert sich nicht um dieses Verdikt. Wenn die kleine Schwester es im Arm hält, etwa bei den Schulaufgaben oder beim Fernsehen, spricht das Kaninchen leise vor sich hin. Dabei steckt es seinen Kopf in die Armbeuge des Mädchens, als wolle es gar nicht gehört werden. Das Mädchen schaltet den Fernseher aus und lauscht: Ja, das Kaninchen murmelt und knirscht und seufzt in leisen Lauten wie ein Mensch, der sich selbst eine Geschichte erzählt. Die kleine Schwester wagt den einen oder anderen Zwischenruf, aber das Kaninchen geht auf nichts ein. Es schwatzt unaufhörlich weiter wie ein Politiker bei einer Podiumsrede, aber leise, ganz leise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mädchen holt die große Schwester herbei und auch die Mutter, damit sie sich das seltsame Phänomen zu Gemüte führen, aber die finden es gar nicht weiter merkwürdig. Sie hören auch nicht richtig zu. Sie wollen sich nicht einlassen auf den unaufhörlichen Redestrom über Krokusse und Möhrengrün, Regengüsse und Frost, Unheil und Vernichtung. Das Kaninchen erhebt die Stimme nicht. Mit gleichmäßigem Murmeln, als rede es nur für sich selbst, erzählt es seine Geschichte. Darin kommen Lichtblitze vor aus grellen Scheinwerfern und zu Schlingen gebogene Drähte, unterirdische Gänge, Mondschein und Rübenkraut, Hunde und  Gittertüren. Pusteblumen und im Morgengrauen aufjaulende Bagger, die Erdhügel niederreißen; manchmal auch Spritzen und blutende Wunden an den Ohren, und immer wieder der Mond, der volle gelbe Mond. Alles geht kunterbunt durcheinander und nimmt nie ein Ende. Die kleine Schwester versucht sich eine Meinung dazu zu bilden, aber sie begreift es nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachts träumt sie manchmal von dem geschwätzigen Kaninchen, wie es eine weiße Straße entlang hoppelt und dabei etwas hinter sich herzieht wie eine Luftschlange: eine dürre Wortgirlande, die sich in die Büsche und Baumstämme am Straßenrand verheddert und immer länger wird. Die Girlande stört das Kaninchen nicht, es schleppt sie einfach nach. Erdklumpen hängen darin und von Raupen zerfressene Salatblätter, Petersilie und Katzenstreu. Die Schwatzgirlande des Kaninchens schlingt sich um die Füße der kleinen Schwester und bringt sie zum Stolpern. Vergeblich sucht sie zu folgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem hört die kleine Schwester weiter zu, Tag für Tag. Was das Kaninchen  erzählt, ist ihr fremd, aber nun will sie alles hören. Bis die Girlande sich vollends entrollt und das Kaninchen ihr über Gewehrschüsse erzählt und Stacheldraht, über Gaswolken, die in den Augen brennen, über fremde stechende Gerüche und leckende Feuerzungen und immer wieder über den Mond, den vollen gelben Mond. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann hat das Kaninchen sein Garn zu Ende gesponnen und verstummt für immer. Manchmal faucht es noch, wenn es gereizt wird. Vielleicht kann es auch schreien. Aber das wird es erst sehr viel später tun, wenn überhaupt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;278&quot; alt=&quot;schwatzkaninchen-300&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/annarinnschad/images/schwatzkaninchen-300.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Illustration: ©Yannika Schad, 2006&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>schmollfisch</dc:creator>
    <dc:subject>Was das Kaninchen erzählt</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 schmollfisch</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-18T23:22:00Z</dc:date>
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&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;»Mir gegenüber in der U-Bahn liest eine Frau die Labyrinthe von Borges. Ich möchte ihr etwas zurufen, ihr zuwinken und signalisieren, dass ich demselben Credo anhänge.«&lt;br /&gt;
(Alberto Manguel)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
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Anna Rinn-Schad, geboren im Februar 1957 in Gießen, erzählt Geschichten, seit sie reden kann. Um ihr Werk unter die Leute zu bringen, wagte sie sich mit sieben Jahren an die Gründung eines eigenen Verlags, der immerhin 14 faksimilierte Bücher (mit Tackerheftung und Schutzumschlag) herausbrachte, bevor er wegen Burn-Out der Verlegerin die Produktion einstellte. Die Hausautorin des Verlags schrieb unbeirrt weiter mit wechselnder Intensität und unterschiedlichen Schwerpunkten, jedoch stets gleich bleibendem Lustgewinn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1993 lebt Anna am Rand der hessischen Rhön. Ihre bevorzugte Arbeits- und Spielwiese ist seitdem die Rhöner Literaturwerkstatt, die sich im Künstlerdorf Kleinsassen trifft und die Natur- und Kunstlandschaft in Prosa und Lyrik kommentiert. Lesungen und zwei Werkstattjahrbücher (ein drittes wird vorbereitet) tragen die Rhöner Provinznotizen in die ländliche Öffentlichkeit. Nebenher schreibt Anna für Anthologien, Zeitschriften und im Internet. Ihr Schafskrimi Mäh! wurde im Odenwälder Krimiwettbewerb 2008 mit dem ersten Preis ausgezeichnet (Link zur Leseprobe rechts unter Anna schrieb).&lt;br /&gt;
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Anna schreibt alles, was geschrieben werden kann; Gedichte, Romanhaftes, Kitschiges und ganz normale Geschichten (die am liebsten). Ihre bevorzugten Themen sind das Bizarre und Wunderliche im Alltag, das Komische im Tragischen und die Tierwelt - besonders liegen ihr Schafe und kleine Hasen am Herzen. Anna führt ein literarisches Weblog unter dem Namen  &lt;/b&gt;&lt;a href=&quot;http://schmollfisch.twoday.net/&quot;&gt;schmollfisch&lt;/a&gt; &lt;b&gt;und ein Strick- und Spinnblog in &lt;/b&gt;&lt;a href=&quot;http://mallory.twoday.net/&quot;&gt;schmollfischs hinterzimmer&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Außerdem malt sie ein wenig, spielt Klavier und beackert verschiedene Gebiete des Textilhandwerks (Spinnen am Spinnrad, Quilt- und Strickdesign). Anna ist verheiratet und hat zwei fast erwachsene Töchter.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
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&lt;small&gt;Alle Rechte an den Texten auf dieser Seite bei der Autorin.&lt;br /&gt;
Kontakt: annarinnschad [at] web [punkt] de &lt;/small&gt;&lt;/b&gt;&lt;/b&gt;</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 schmollfisch</dc:rights>
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